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Eine Leseprobe aus Marco Milanis
Träume und Ähnliches
Übersetzung: Petra Ohl
"Die Stimme des Krebses" (Exzerpt)
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it dem besorgten Gedanken an ein abgestürztes
Flugzeug stieg ich aus dem Auto und rannte in die
Richtung des vermeintlichen Unglücks. Nach etwa
dreißig Metern verließ ich die Straße mit einem
beherzten Sprung über den wassergefüllten Graben.
Während ich die Pflanzen zur Seite schob und im
Schlamm bis fast an die Knöchel versank, kam ich
nur mühsam in dieser Art hiesigem Dschungel voran,
angetrieben von der Vorstellung, in was für fürchterlichen
Situationen ich diese armen Leute in dem abgestürzten
Flugzeug vorfinden würde.
Ich war überwältigt von Überraschung, als ich mich
vor einer fliegenden Untertasse wiederfand, einem
länglichen, zigarrenförmigen Objekt, wie die Ufos
aus den üblichen Beschreibungen, mindestens zwölf
Meter lang. Die Höhe wüsste ich nicht zu schätzen,
da das Schiff tief im Boden steckte, aber der herausragende
Teil erreichte die Spitzen der Maispflanzen.
Meine letzte Erinnerung, bevor ich als Gefangener
aufwachte, ist die an einen blauen Strahl, der etwa auf
Bodenhöhe von einem zentralen Punkt des Schiffes
ausging und mich voll traf.
Als ich wieder zu mir kam, war ich im Inneren
einer länglichen Kuppel, in der es mir nicht gelungen
wäre, stehen zu bleiben, selbst wenn ich mich hätte
aufrichten können. Ich war völlig nackt und lag auf
einem harten, weißen Gestell von den Ausmaßen
eines Untersuchungstisches, fixiert mit Fesseln, die
aus Metall schienen, ebenfalls weiß.
Die innere Oberfläche der Kuppel war leuchtend
und gleichzeitig farblos, weder weiß noch transparent.
Undefinierbar fremdartig. Sie erinnerte … an Licht.
Nur Licht. Nichts anderes als Licht.
Ich war verwirrt, verloren und vor allem verängstigt.
In jedem Fall wusste ich, dass ich Opfer einer Entführung
durch Außerirdische war und dass ich die Erde
und auch das Sonnensystem verlassen hatte. Ich weiß
nicht wie, aber ich war mir dessen voll bewusst.
Vergeblich versuchte ich, mich zu befreien, aber
ich war blockiert, bis auf den Kopf war ich regelrecht
unbeweglich. Ich versuchte es weiter. Schon
bald wurden meine Muskeln steif und begannen, zu
schmerzen. Ich schrie!
Ich schrie, während mein Geist begann, umher zu
irren, und mich Panik überfiel.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber
bis zu diesem Augenblick hatte ich versucht, meine
Situation zu verstehen, und hatte nie daran gedacht, zu
schreien. Aber dieser Schrei löste etwas aus. Vielleicht
war meine Stimme das Signal, auf das sie warteten.
Wer? Die Frage bleibt bis jetzt unbeantwortet.
Im Zentrum der Kuppel, genau über meinem Kopf,
erschien ein weißer und blauer Strahl. Auf der Höhe
meines Bauchnabels zeichnete er einen kleinen Kreis,
der sich ausdehnte, bis er einen Umfang von etwa
dreißig Zentimetern erreicht hatte. Der Strahl verschob
sich nach links und hielt auf der Hüfte an, um
dann mit derselben Geschwindigkeit zu dem entsprechenden Punkt auf der rechten Seite zu wandern. Ich
hörte ein Brummen.
Ein zweiter Strahl, ebenfalls aus dem Zentrum der
Kuppel, aber rot und dünn, traf auf meinen Körper
und verband sich mit dem ersten Licht. Ich erhielt
eine Art Stromschlag, der sich in ein ständiges Kribbeln
verwandelte.
Nicht zu beschreiben diese Unglaublichkeit, dieser
Horror, den ich empfand, als ich sah, wie das weißblaue
Licht, das offensichtlich als eine Art Ansaugrohr
fungierte, meine Leber aus meinem Körper hob. Der
Leber folgte eine Niere, dann die Bauchspeicheldrüse.
Meine Organe blieben einen Augenblick lang vor meinen
Augen in der Luft stehen und vermittelten mir die
Vorstellung von einem abstrakten Bild: ›Meine Organe
in indianischer Reihe‹, so der Titel des Werkes.
Die Reste meiner Innereien fügten sich in die Reihe
hinter den ersten und verschwanden dann, eins nach
dem anderen in einer Art dunklem Schließmuskel, der
sich aus dem Nichts geöffnet hatte über dem Ursprung
des Röhrenstrahls.
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