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Eine Leseprobe aus der Anthologie
Masters of Unreality

"Die Tyrannei des Taktes"
von John Edward Lawson


Übersetzung: Torsten Scheib
(Exzerpt)


ie Zombies führen ihn eine unbeleuchtete und schwankende Treppe hinab. Ein Flur führt aus dem Kellergeschoss hinaus und mündet in ein Laboratorium, welches eher an den Arbeitsplatz eines schlampigen Mechanikers erinnert.
Ein silberhaariger Mann in stark verschmierter Arbeitskleidung mustert sie, als sie eintreten. Sein Name lautet Elder und er würde sich selbst als Webtänzer oder Netztourist bezeichnen; als jemanden, der sich durch den primitiven Dschungel aus Neuronen und Gliazellen schwingt wie eine Art postmoderner Tarzan. Tief in seinem Innersten tanzt er den Breakdance und macht den Bodypop zwischen sämtlichen Komponenten der Neuralzellen: den Basaldendriten, den Axonen, den Synapsenenden. Das Ende, ja. Das erreichen alle seine Patienten ganz von selbst. Und was ihn betrifft, so ist das geschäftige Treiben am Ende der Sense des grimmigen Schnitters bereits in Sichtweite. Er gibt den beiden Zombies zu verstehen, dass sie gehen sollen.
»Wie sind Sie bloß auf uns gekommen, Detective?« fragt er, nachdem sie verschwunden sind.
»Ein bisschen mehr Vertrauen, Doktor. Jeder Detective ist dafür ausgebildet worden, jeden noch so raffinierten Einfall bei einer Zeugenaussage zu erkennen.«
Elder beäugt den Spritzer auf Voshawns Hosenbein. Sieht aus wie Blut. »Sie sind … wirklich gut.«
»Spielt keine Rolle. Wie ich gehört habe, sind Sie der Mann, mit dem man reden sollte, falls man etwas über diese unheimlichen Körpermodifikationen erfahren möchte, die gerade so schwer in Mode sind.«
»Oh?«
»Oh? Oh! Ja – oh! Sind Sie sich im Klaren, dass ihre Modifikationen tödlich sind?«
Eine ausgiebige Musterung seines Gegenübers lässt keine Zweifel mehr zu: Elder ist am Ende. Und es wäre wirklich nicht verwunderlich, würde er hier und jetzt tot umfallen. »Diese Verbesserungen … sie waren ein Geschenk an all diese Leute. Und die Behauptung, dass meine Arbeiten negative Auswirkungen auf den physiologischen Prozess haben sollen, ist einfach lächerlich.«
»Dann geben Sie es also zu! Dann waren Sie es!« Voshawn wartet die Antwort nicht ab und tritt vor. »Suchen wir doch einen Ort auf, der etwas geeigneter ist für hitzige Debatten.«
»Wie das Polizeirevier?«
»Sie sind wirklich nicht auf den Kopf gefallen, Doc.«
Elder wendet sich seiner Ausrüstung zu und fängt an, seine Werkzeuge auszulegen – als stünde eine Operation bevor. »Sie müssen wissen, dass es nur ein paar Tausendstel einer Sekunde benötigt.«
»Ähm … Entschuldigung?«
»Solange benötigt ein Befehl Ihres Gehirns, bis er die Zehen erreicht hat.«
»Oh. Richtig.«
»Es liegt an den Springern«, fährt der Doktor fort, dabei seine Werkzeuge polierend. »Jedes Ende eines Neurons besitzt Schwann’sche Zellen. Stellen Sie sie sich als winzige Autowerkstätten vor. Der Befehl erreicht die Schwann’sche Zelle und muss dann über eine Art Lücke springen, genannt Ranvier-Schnürring.«
Der Detective räuspert sich. »Ganz ehrlich, Doktor: weder sind wir hier in der Schule, noch werde ich hier abgehört.«
Die Augenbrauen des alten Mannes heben sich. »Werden Sie nicht?«
Hinter sich bemerkt Voshawn zwei Männer.
Ziemlich große Männer.
Elder spuckt einen Batzen Schleim aus und betrachtet ihn genauer.
»Die Außenhülle einer Neuronenzellmembrane besitzt eine positive Aufladung, während das Innere negativ aufgeladen ist. Was sagen Sie dazu, Sie faschistischer Schläger?«
»Nur«, antwortet Voshawn, während er die Handlanger des Doktors abschätzt, »dass ich Ihnen liebend gerne die Augen mit ’ner Kneifzange rausreißen würde.«



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