onathan Prichard trat aus dem Aufzug, scheppernd schloss sich die Tür hinter ihm. Sein Ausgang war nunmehr versperrt. Kein leichter Weg zur Flucht mehr möglich. Es störte Jonathan nicht im Geringsten. Er war diesen Flur schon oft hinunter gegangen, kannte jede fehlerhafte Frontplatte der indirekten Beleuchtung, wusste, wo jedes Rauchenverboten-Schild hing, hätte auf jeden Riss an diesen öden, grauen Wänden weisen können. Hier verbrachte er den größten Teil seiner Freizeit. Für ihn gab es keine Kneipen und keine Partys. Das hier war die einzige Möglichkeit, herauszufinden, was er wissen wollte. Wonach er in all den Jahren gesucht hatte.
Als er einen Fuß vor den anderen setzte, hallten die Geräusche überall wider. Er packte die Tasche, die er trug, fester an, ohne dass seine Hände zu schwitzen anfingen. Jonathans Spaziergang führte ihn zu einer Doppeltür am äußersten Ende des Ganges. Er ging durch sie hindurch, es wurde heller, wenn auch nur wenig.
Sofort schlug ihm der Geruch entgegen, so wie er es immer tat, ein seltsamer, antiseptischer Geruch, gemischt mit einem Hauch von Fleisch. Mittlerweile hätte er ihm vertraut sein müssen, doch er überfiel ihn jedesmal von Neuem. So war es auch mit der niedrigen Temperatur. Jonathan spürte, wie Gänsehaut seine Arme kribbeln ließ, zu den Schultern hoch und den Rücken hinunter tanzte.
Wie aus dem Nichts trat eine massige Gestalt hervor. Jonathan zuckte zusammen.
Er hasste es, wenn Colin das tat.
"Hab' ich Sie!" sagte der Mann, wild grinsend, und seine Augen funkelten wie Sterne.
Jonathan zwang sich zu einem Lächeln. Er musste mitspielen, ihn bei Laune halten. Er brauchte Colin zu sehr, um zu riskieren, ihm zu nahe zu treten, ganz gleich, wie sonderbar sein Sinn für Humor auch sein mochte. "Klar, hast mich wieder erwischt. Mich zu Tode erschreckt."
Colin klopfte ihm auf den Arm und begann zu kichern. "Zu Tode erschreckt. Der war gut." In sein Lachen mischte sich abstoßendes Schnauben.
Jonathan nickte, auch wenn er nicht verstand, was daran so lustig war. "Hören Sie, Colin, was haben Sie für mich?"
"Für Sie?"
"Sie haben mir eine Nachricht hinterlassen, Colin." Jonathan nahm seine Brille ab und fing an, sie mit einem Tuch zu putzen.
"Oh, ja, sorry. Sie haben Glück, mein Freund. Sind gerade vier herein gekommen, vor 'n paar Stunden. 'Ne Familie, Mutter, Vater, zwei Kids - von jedem eines."
Jonathans Augenbrauen zogen sich zusammen, ein ernster Ausdruck trat auf sein Gesicht. "Was ist passiert?"
"Weiß ich echt nich'. Die Polizei hat'se von der Conway Siedlung hergebracht. 'N Nachbar hat'se alle in ihrer Wohnung gefun'n." Er lehnte sich zu Jonathan herüber und flüsterte: "Kehle aufgeschlitzt, bei all'n."
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