ie standen im Hof; Kim hatte ihre Arme immer noch verschränkt und Timmy beobachtete die aufgeblähten weißen Wolken, die über ihnen dahinsegelten, als sie sagte: »Weißt du, ich wollte nicht hierher kommen.«
Ohne sie anzuschauen, spottete er: »Warum hast du es dann getan?«
»Deine Mutter hat meine Mutter angerufen und ihr erzählt, dass dir langweilig ist und du einsam bist und -«
»Ich war nicht einsam. Mir ist es gut gegangen.«
»Nun, deine Mutter hat was anderes geglaubt und gefragt, ob ich herüberkommen kann. Ich hab meiner Mutter gesagt, dass ich nicht mit dir spielen will, weil du dreckig bist und stinkst.«
Timmy gaffte sie an: »Echt?«
Sie schüttelte den Kopf und er musste sich bemühen, den erleichterten Seufzer, der in seinem Hals aufstieg, zu unterdrücken.
»Also ich schätze, wir müssen irgendwas unternehmen; wenigstens für eine Weile«, sagte sie. »Was willst du spielen?«
»Auf keinen Fall mit Puppen. Ich hasse Puppen.« Er sah einem blauen Eichelhäher zu, bis der Vogel hinter ihr verschwand. Ihm weiterhin mit dem Blick zu folgen hätte bedeutet, in ihre Richtung schauen zu müssen. Und dazu war er noch nicht bereit.
»Ich auch«, erklärte Kim und überraschte ihn damit. Er sah sie direkt an. Kurz.
»Ich dachte, alle Mädchen mögen Puppen.«
Er sah, wie sie mit den Schultern zuckte. »Ich denke, sie sind blöd.«
»Wirklich dumm.«
»Ja.«
Die Stille war nicht so schlimm wie Timmy angenommen hatte. Zunächst einmal mochte sie keine Puppen, was ein klarer Pluspunkt war. Puppen waren echt blöd. Er hatte das nicht bloß gesagt, um sie zu ärgern. Und zumindest redete sie. Mittlerweile hatte er die Nase voll davon, sich selbst dabei zuzuhören, wie er mit Pete redete und keine Antwort bekam. Also, schätzte er, war sie nicht so dämlich.
Dennoch blieb es dabei, dass er mit ihr nicht gesehen werden wollte. Egal, als wie cool sie sich erweisen würde, wenn jemand aus der Schule davon erfuhr, würden sie behaupten, er sei in sie verliebt oder so was und sie würden ein Baby haben. Und das wären schlechte Neuigkeiten. Echt schlechte Neuigkeiten.
»Warum gehen wir nicht zum Teich?« fragte sie, als könne sie seine Gedanken lesen.
Den Teich zu besuchen war auch keine angenehmere Vorstellung als gemeinsam mit dem Mädchen rumzuhängen, aber wenigstens würde sie dort niemand zusammen sehen.
»Ich darf nicht zum Teich gehen«, erklärte er, mit einem Hauch von Scham. Zuzugeben, von den gleichen Vorschriften wie jeder andere eingeschränkt zu werden, war wie das Eingeständnis einer Schwäche, wenn man es zu einem Mädchen sagte.
»Wieso nicht?«
»Ich darf halt nicht.«
Als sie darauf nicht reagierte, ließ er ein dramatisches Stöhnen hören und gab nach.
»Pete Marshalls Dad glaubt, dass sich dort vielleicht irgendwelche Freaks oder so was rumtreiben. Er glaubt, es könnte für Kinder gefährlich sein. Auch mein Dad will nicht, dass ich wieder dorthin gehe.«
»Freaks? Was für Freaks?«
Fast hätte er es ihr erzählt, doch dann hielt er sich in der letzten Sekunde zurück und tat es mit einem Schulterzucken ab. »Nur irgendwelche merkwürdigen Kinder.«
Einen Moment lang starrte sie ihn an und er rang damit, sich nicht zu winden.
»Wie der Schildkröten-Junge?«
Nun sah er sie an und - abgesehen von dem Schock, den Namen zu hören, den er Darryl gegeben hatte - erkannte, dass sie nicht so hässlich und stinkig und alles andere war, was er mit der Gruppe von Gören in Verbindung brachte, mit der sie in den Pausen auf dem Schulhof herum tobte. Zum einen waren ihre Augen wie funkelnde Smaragde und nachdem er einmal direkt in sie geblickt hatte, löste sich sein Unbehagen in Nichts auf und er musste sich anstrengen, um wieder wegschauen zu können. Ihre Haut erinnerte ihn an die Seife seiner Mutter und das beschwor die Erinnerung an einen angenehm sauberen Geruch herauf. Und doch ... sie war ein Mädchen und das weckte in ihm das seltsame Gefühl, unbeholfen zu sein.
»Was?« fragte sie nach einem Moment.
Schließlich riss er sich genug zusammen, um »Du hast ihn gesehen?« zu krächzen.
»Ja. Er sieht furchtbar gruselig aus, nicht?«
»Aber ... wann hast du ihn gesehen?«
»Am ersten Ferientag im Sommer. Mein Cousin Dale ist mit seiner Mutter auf Besuch gekommen und wir sind zum Teich fischen gegangen.« Sie schenkte ihm ein schüchternes Lächeln. »Ich bin nicht gut beim Fischen. Ich habe meinen Köder verloren.«
Timmy erinnerte sich an den kleinen rot-weißen Ball, der an dem Tag, als sie Darryl kennen gelernt hatten, auf dem Wasser getrieben war und fragte sich, ob es ihrer gewesen war.
»Dale hat einen Wels gefangen. Er war hässlich und dick und nachdem er ihn eingeholt hatte, hielt er ihn mir vors Gesicht und wollte mich dazu bringen, den Fisch zu küssen. Ich rannte zwischen die Bäume und dort war er. Der Schildkröten-Junge. Er hat echt fies gestunken und schaute mich an, als hätte ich ihn bei etwas erwischt, was er nicht tun sollte. Es war gruselig.«
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