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Sven Kössler & Werner Placho (Hrsg.)
Liberate Me
Eloy Edictions, Augsburg, 12/2006.

TB, Horror, Mystery, Fantasy
978-3-938411-10-0
325 Seiten, 14 Euro

Titelillustration und Innenillustrationen von Sven Kössler

Eine Anthologie aus den Tiefen von www.horror-forum.com

Für Leser und Freunde phantastischer Literatur ist Eloy Ediction schon lange die richtige Adresse. Der kleine, aber feine Verlag aus Augsburg beweist stets Geschick in der Auswahl der Autoren und ihrer Geschichten.
Nach langer Planung konnte nun ein Projekt verwirklicht werden, das den beiden Herausgebern Sven Kössler und Werner Placho schon lange am Herzen lag. Bei einem Chat im horror-forum.com war die Idee zu einer phantastischen Anthologie mit ausschließlich deutschen Autoren entstanden. Ein gewagtes und schwer umzusetzendes Unterfangen, da Bücher aus dem phantastischen Bereich mit ausschließlich deutschen Autoren nicht gerade als Verkaufsmagnet gelten.
Doch der Eloy Ediction Verlag, der schon immer talentierte, doch leider meist unbekannte Autoren unterstützte, machte das Unmögliche möglich.
Entstanden ist eine phantastische Anthologie mit dem Schwerpunkt Horror, zu der 19 Autoren (darunter auch einige talentierte Hobbyschreiber) aus Deutschland und Österreich ihre Geschichten beisteuerten.
Hier eine kleine Zusammenfassung was den interessierten Leser an Geschichten erwartet: “Gefallener Engel” von Andreas Gruber ist eine verstörende Erzählung über ein Wesen aus der Unterwelt, das den Menschen Qualen und Tod bringt.
“Progressive Selbsthypnose” von Walter Diociaiuti entführt die Leser in die Abgründe der menschlichen Seele. Der Psychiater Wilbur ist am Boden zerstört, seid ihn seine geliebte Paula verlassen hat. Seinen einzigen Trost findet er im Konsum einer Menge Alkohol und Zigaretten und einer regelmäßigen Therapie. Doch ist es wirklich ratsam für einen Arzt, sich selbst zu therapieren? “Felidae Rex” von Markus K. Korb spielt in einem kleinen Dorf. Seit sich der wahnsinnige Baron von “Harlaxton Manor” das Leben nahm, meiden dessen Bewohner das Anwesen wie die Pest. Vor allem liegt das an den wilden und hässlichen Katzen des Barons, die im Herrenhaus zurückblieben. Bald schon ranken sich die abenteuerlichsten Gruselgeschichten um “Harlaxton Manor”. Davon lässt sich John Griswold, allerdings nicht abschrecken, dem Anwesen einen Besuch abzustatten.
“Absolution” von Torsten Sträter erzählt die Geschichte des Deutschen Stemmer, der versucht, seiner Schuld zu entfliehen. Er begegnet einer mysteriösen alten Frau, die ihm Absolution anbietet. Doch Stemmer verleumdet beharrlich seine Schuld. Wird er dennoch Absolution erhalten, und welche Schuld will er nicht wahrhaben?
In “Chufus Kammern” von Peter Lancester ist Tom, nach dem Verrat seines Mitarbeiters Esteban im Labyrinth einer unterirdischen ägyptischen Grabkammer gefangen. Dort begegnet er der schönen Nelifris, einer Frau aus längst vergangener Zeit. Doch wer ist sie wirklich, und wird den beiden die Flucht aus dem alten Labyrinth gelingen?
Als “Mala’ak” in der gleichnamigen Geschichte von Markus Kastenholz werden gefallene und von Gott verstoßene Engel bezeichnet. Nachdem Luzifer und seine getreuen Engel den Himmel verlassen haben, bleibt ihnen nur noch die Unterwelt. Doch die Dämonen und ihr Höllenfürst Asmodeus sind keinesfalls bereit, den neuen Herrscher willkommen zu heißen.
Eine erfreuliche Abwechslung zu den vorherrschend düsteren Geschichten stellt Boris Kochs “Wie mein Papa die Welt zum zweiten Mal rettete” dar. Die Geschichte wird mit sehr viel Humor aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt. Sein Vater ist Arzt und für ihn der größte Held auf der ganzen Welt, weil er gefährliche Krankheiten heilt und täglich Leute rettet. Da der Vater auch gerne phantastische Geschichten von seinen Operationen zum Besten gibt, geht mit dem kleinen Jungen die Phantasie durch. Dadurch bekommt er gar nicht mit, welche Probleme seine Eltern im Moment in ihrer Beziehung haben und träumt von den Heldentaten seines Vaters. Kann es für die Familie trotzdem noch ein Happy End geben?
“Betty-Sue und Billy-Bob” aus einer beschaulichen amerikanischen Kleinstadt waren schon immer für einander bestimmt. Daran kann auch der Sheriff John, der die Geschichte der beiden erzählt und Betty-Sue heimlich liebt, nichts ändern. Als Billy-Bob in Vietnam ums Leben kommt, ist seine Frau am Boden zerstört. Doch ist dies wirklich das Ende ihrer Liebe?
“Im Garten des Ch’In-mei von Stefan Pinternagel erzählt die Geschichte eines chinesischen Dorfes. Die chinesische Polizei führt dort strenge Verhöre durch. So soll aufgeklärt werden, warum die Menschen dieses Dorfes kräftig und gesund sind, während in allen anderen Dörfern Hungersnot und Elend herrscht.
In “Das Buch” von Astrid Pfitzner, entdeckt Laura in ihrem Lieblingsantiquariat eine ganz besondere Lektüre. Fasziniert kauft sie das Buch und beginnt darin zu lesen. Als sich die Handlung des Buches auch in Wirklichkeit ereignet, glaubt Laura zunächst an einen schlechten Scherz. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Mal. Wird sich Laura dem Reiz des Buches entziehen können?
In “Der Untergang des Hauses Heyde” von Jörg Kleudgen begibt sich ein Mann mit einem Freund auf die Suche nach einem Ort, der ihn im Traum erschienen ist. Als er ihn endlich findet lässt ihn die Frage nicht los, was dort geschah. Vielleicht kann ein Einheimischer dies beantworten.
“Der Mann, der die Kerzen anzündete” erhielt nur sehr selten Besuch. Als nach langer Zeit wieder jemand bei dem Alten vorbeischaut, beginnt dieser seine Lebensgeschichte zu erzählen, in der es sich schon immer um das Feuer drehte, denn schließlich war er einmal Feuerwehrmann bis zu jenem verheerenden Brand in der Kerzenfabrik. Doch was hat es nun mit seiner neuen Aufgabe auf sich, in Einsamkeit Kerzen zu entzünden?
Der Ich-Erzähler der Geschichte “Die Unterführung” von Jörg Kleudgen hat sich nach einem furchtbaren Erlebnis in die oberste Etage des höchsten Wohnhauses seiner Stadt zurückgezogen. “Liberate Me” von Werner Placho zeigt erschütternd, wie zerstörerisch Hass und Angst sein kann. Besonders wenn er sich gegen die eigene Person richtet.
“Allein unter Monstern” von Torsten Scheib erzählt die Geschichte eines Mannes namens Gruber. Seit die Weltbevölkerung vor wenigen Monaten von blutrünstigen Kreaturen dezimiert wurde, befindet sich Gruber auf der Flucht. Er will auf keinem Fall zu einem Vampir werden. Seine einzige Hoffnung besteht darin, noch andere Überlebende zu finden.
“Lumiere Noire” von Sven Kössler: Durch die Weltausstellung in Paris hat die Polizei eine ganze Menge zu tun. Das Spektakel hat nämlich neben Touristen auch eine Menge Taschendiebe angelockt. Nachdem ein Polizist bei der Verfolgung eines Diebes verletzt wird und das Bewusstsein verliert, erwacht er an einem dunklen Ort. Was ist mit ihm geschehen?
Charlotte Engelmann bietet mit “Nur Spielen” eine etwas andere Geschichte über Hund und Frauchen an. Die verwöhnte Tiffany vergöttert ihren Liebling und lässt ihm alles durchgehen. Davon ist der gut aussehende Nachbar allerdings nicht begeistert und lässt sich auch dadurch nicht beschwichtigen, dass der kleine Hund nur hat spielen wollen. Sollte sich das Tier einmal auf Seite 17 von 40 sein Grundstück verirren, würde es ihm schlecht bekommen. Als das Unvermeidliche schließlich geschieht, macht sich Tiffany auf, ihr Hündchen zu retten.
“Höllenjob” von Christel Scheja ist eine spannende und zum Teil satirische Horrorgeschichte, in denen schlechte und nervende Arbeitgeber ihr Fett wegbekommen. Nachdem Franca ihre Arbeit als Exorzistin beim Vatikan verloren hat, woran natürlich ein Frauen hassender Priester Schuld war, bekommt sie nur einen schlecht bezahlten Job in einer Konservenfabrik. Dort muss sie sich von nun an mit eitlen Chefs und faulen Mitarbeitern herumschlagen. Doch bald merkt sie, dass es in ihrer kleinen privaten Hölle nicht mit rechten Dingen zugeht. Gemeinsam mit ihrem Freund Mario, einem ehemaligen Kollegen aus ihrer Vatikanzeit, versucht sie, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Die letzte Geschichte “In Stein” erzählt eine traurige und doch hoffnungsvolle Liebesgeschichte. Martin hat seine große Liebe Elisabeth verloren. Sie hatte Krebs. Martin ist verzweifelt, und mit seinem Leben geht es immer mehr bergab. Seine größte Sorge ist jedoch, Elisabeth zu vergessen. Als Martin in seinem Garten einen Stein entdeckt, der große Ähnlichkeit mit dem Kopf seiner Frau aufweist, beginnt er, diesen zu modellieren. Mit ungeahnten Folgen.
Das Buch bietet hauptsächlich spannende Geschichten aus dem Horrorgenre, doch auch andere Erzählungen, in denen Mystery- und Fantasy-Elemente vorherrschen sind vorhanden. Einige humorvolle und satirische Erzählungen gibt es ebenfalls. Diese tragen erfreulicherweise zu einer Auflockerung der meist sehr düsteren und gruseligen Geschichten bei. Trotzdem sind gerade die düsteren Geschichten sehr lesenswert. Die Horrorgeschichten sind sehr spannend gehalten, und man fiebert bis zur letzten Seite mit. Außerdem gibt es noch sehr tragische Liebesgeschichten und nachdenklich stimmende Dramen voller Melancholie und Hoffnung.
Bei der Auswahl der Geschichten wurde ganze Arbeit geleistet. Storys, die in erster Linie unterhalten sollen, wechseln sich stets mit anspruchsvollen Erzählungen ab, die zum Nachdenken anregen.
Die Schreibstile der neunzehn Autoren und Autorinnen sind natürlich sehr verschieden, so dass dem Leser wahrscheinlich nicht jeder gleich gut gefallen wird. Doch jede Geschichte fesselt auf ihre Weise. Am Ende des Buches findet man zu jedem Autor eine kleine Biographie. So kann man mehr über den Schöpfer seiner Lieblingsgeschichte und dessen weitere Werke erfahren.
Besonders gelungen sind die stimmungsvollen Illustrationen von Sven Kössler. Jede Geschichte wird mit einem ansprechenden Bild eingeleitet, das für die passende Atmosphäre sorgt.
Es bleibt zu hoffen dass dies nicht die einzige Zusammenarbeit zwischen dem Eloy Edictions Verlag und dem Horror-Forum bleiben wird, denn die Geschichten machen Lust auf mehr.

(CS)


Erschienen in Rattus Libri, Ausgabe 18 (Ende April 2007)

Rattus Libri ist ein Rezensionsmagazin von Christel Scheja und Irene Salzmann

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