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Walter Diociaiuti & franc'O'brain (Hrsg.): "Psychoghost" (UBooks Verlag, 229 Seiten. EUR 12,90. ISBN: 3-937536-25-6)Bei der Lektüre der "Psychoghost"-Anthologie drängt
sich einem Leser automatisch die Frage auf, ob es einen
grundlegenden Unterschied zwischen italienischer und deutscher
Phantastik gibt, denn Geschichten von Autoren beider
Nationalität wechseln sich hier ab. Um es vorwegzunehmen: ein
solcher Unterschied ist vielleicht nicht mess- aber doch
fühlbar. Die italienischen Autoren dieses Bandes, sie tragen so
klingende Namen wie Nerozzi, Ferrara oder Di Orazio,
präsentieren sich wesentlich einheitlicher mit einer Art
unverbrauchter Horrorliteratur, die auf Schockeffekte setzt und
Tabubrüche inszeniert. Diociaiutis "Superbaby" zum
Beispiel, das aus der ungewohnten Perspektive eines Kleinkindes
dessen Alpträume schildert, Perissinottos "Yuri", in
dem der Erzähler unaufhaltsam in einen blutigen Amoklauf treibt,
oder Colombos "Bissige Küsse", einer
Splattergeschichte, die die Nähe von Tod und Erotik zum Thema
hat. Alle Texte wirken wie in der Realität angesiedelt und
mitten aus dem brutalen Leben heraus geschrieben. Anders die
Beiträge ihrer deutschen Kollegen, die sich weitaus weniger
geschlossen in dieser Anthologie darstellen. Mit Andreas Gruber,
Boris Koch, Christian von Aster, Thomas Wagner, Malte S. Sembten
und Eddie M. Angerhuber haben die Herausgeber eine Reihe von
zumindest Insidern bekannten Namen der deutschsprachigen
Phantastik für ihr Projekt gewinnen können. Von diesen knüpft
S. Sembtens Geschichte um eine dämonische Autofahrerin in
"Rock the Road" am ehesten an Stimmung und Motive der
italienischen Autoren an, wohingegen Thomas Wagner mit seinem
geradezu stummfilmhaften "Ein Wurm namens Ewigkeit" und
Christian von Aster in "Nachtfalter" sich klassisch
phantastischer Themen annehmen und diese in einem angenehm
antiquierten Stil erzählen. Als einer der Höhepunkte des Bandes
muss auch Eddie Angerhubers "Die Enthüllungen des
Raupenwolfs" genannt werden, in dem die Autorin erneut alle
Register ihres Könnens zieht. Vergleiche mit Thomas Ligotti sind
hier nicht ganz von der Hand zu weisen und auch durchaus
erwünscht. Zuletzt sei noch Boris Kochs "Der Tote im
Maisfeld" erwähnt, der einigen GOTHIC-Lesern womöglich von
den Lesungen des Autors im Rahmen des Wave & Gotiktreffens
bekannt ist.