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Michael Siefener: "Der Teufelspakt" (Eloy Edictions, 246 Seiten. 13 Euro. ISBN 3-938411-00-7)
Den Untergang des Menschen durch das Wirken höherer Mächte hat
sich Michael Siefener bereits in mehreren Romanen und Novellen
wie "Die Entdeckung der Nachtseite", "Albert
Duncel - ein biographischer Versuch" oder "Die
verwirrenden Erlebnisse des Erich Diefenbach" zum Thema
gemacht. Wie kein anderer Autor versteht er es, seinen meist dem
Typus des weltverschlossenen Bücherwurms entsprechenden
Antihelden einen Hauch von Hoffnung mit auf den Weg in ihr
Verderben zu geben, nur um ihnen dieselbe im Verlauf des Romans
rauben zu können. Im "Teufelspakt" betreibt
Siefener die vollständige Zerstörung seines Protagonisten
jedoch noch konsequenter als in den genannten Arbeiten, so dass
der Leser bereits ahnt, dass auch dieser Roman kein gutes Ende
nehmen wird.
Es ist eine Geschichte, wie man sie von Siefener fast unabwendbar
erwartet: der erfolglose Möchtegernschriftsteller Jan Droom lebt
in der abgeschiedenen Zurückgezogenheit der Wohnung seiner
verstorbenen Mutter. Diese hat ihm ein kleines Vermögen
hinterlassen, mit dem er vorsichtig haushalten muss, um seinen
Traum vom Leben als Schriftsteller aufrecht zu erhalten. Im
Verlauf seines selbst gewählten Exils hat Droom eigene Regeln
und Gesetze für sein Leben aufgestellt. Die Außenwelt wirkt auf
ihn feindlich; er betritt sie nur, wenn es sich nicht vermeiden
lässt. Während einer solchen Expedition fällt dem Mann ein mit
Sütterlin vollgeschriebenes Notizbuch in die Hände, dessen
Inhalt sich als Novelle über die Zeit der Hexenverfolgung
entpuppt. Gleichzeitig begegnen ihm eine Frau in Schwarz und eine
Frau in Weiß, beide verführerisch und verlockend. Als der
Sonderling unter mysteriösen Umständen die Frau in Weiß näher
kennen lernt und sich zwischen den beiden eine zarte Beziehung
aufbaut, scheint das bis dahin sinnlose Leben eine neue Richtung
zu nehmen. Doch Droom erfährt, dass mit der Liebe auch
ungekannter Schmerz in sein Leben getreten ist. Und plötzlich
gewinnt die Frau in Schwarz die Oberhand
Auch wenn Siefeners Erzähler uns unbeschreiblich weltfremd
erscheint, seine Handlungen abstrus und unlogisch wirken, finden
wir doch in all seinem Streben nach Anerkennung und Liebe etwas
uns Vertrautes. Es gibt sicherlich Siefener-Texte, die sich
leichter konsumieren lassen als dieser, dessen Anfang sehr viel
Geduld vom Leser fordert, aber sein Psychogramm des Jan Droom
gehört zum Intensivsten, was deutsche phantastische Literatur in
den vergangenen Jahren zur Veröffentlichung gebracht hat. Wie
seinem Helden ist es auch dem Autor nicht gelungen, das Buch in
einem großen Verlag unterzubringen. Um so erfreulicher, dass
sich mit Eloy Edictions ein völlig neues Forum für dieses
beeindruckende und unbequeme Werk gefunden hat.